Ein Interview zwischen Gisela Heinrich und dem Autor des Jubiläumsstückes, Wolf Dieter Knapp, welches anlässlich der 30. Bad Camberger Festspiele vom 17. bis 23. August 2019 im Amthof von Bad Camberg aufgeführt wird. Regie: Timo Pfanzer

GH: Lieber Dieter, wie bist Du auf die Idee gekommen, eine Heimatkomödie mit dem Titel „Der Wasserkrieg in Oberselters“, zu schreiben?

DK: Wir begannen vor 30 Jahren mit dem Heimatstück „Gerhard Langenbach, der Schultheiß von Camberg“. Diese Art der Präsentation von Geschichte aus unserer kleinen Stadt hatte mich damals spontan zum Mitmachen inspiriert. Und dann hatte ich mit dem damaligen Kurdirektor Helmut Plescher bei seinen Stücken „Ich, Friedrich von Hattstein“ und „Johannes Bückler, der Schinder- hannes im Goldenen Grund“ eine sehr enge Zusammenarbeit, welche ihre Spuren hinterlassen hat. Und die Gegebenheiten um das Selterswasser erschienen mir eine Recherche wert.

GH: Der Streit um das Wasser, welcher Ende des 18. Jahrhunderts zwischen Niederselters und Oberselters entbrannte, ist historisch belegt. Wo kann man diese doch sehr interessante Heimatgeschichte nachlesen bzw. wie hast Du dieses Thema recherchiert?

DK: Den Streit um das Wasser hatten nicht Nieder- und Oberselters sondern Kurfürst Wenzelaus Clemens zu Trier und das Haus Nassau-Oranien. Das Wasser mit der fixen Luft, heute sagt man Kohlensäure, war ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor. In den Schöpfbüchern von Niederselters sind die wirtschaftlichen Fakten sauber aufgelistet. Personallisten der Verwaltungen sind im Stadtarchiv vorzufinden.

GH: Damals, wie heute, ist das Streben nach Macht und Geld auch hier der Auslöser eines Streites bzw. Krieges. Werden uns die verschiedenen,  frei erfundenen Charaktere, weitere historische Einblicke vermitteln können. Und wenn ja, welche?

DK: Die Amtmänner und Verwaltungskommissare sind historisch belegt. Das „gemeine Volk“ ist meiner Feder entsprungen, wobei die Familiennamen den Listen um 1760 entnommen sind. Ja, und dann gibt es noch eine reiche Quelle über das Alltagsleben aus der Zeit: die Protokolle des Sendgerichts im Amt Camberg in welchen alle kleinen Vergehen der Bewohner aufgezeichnet und die verhängten Strafen belegt sind.

GH: Wirklich eine tolle Idee, dieses historische Thema, amüsant verpackt, als Jubiläumsschauspiel aufzurollen. Auf welche Besonderheiten darf sich das Publikum noch freuen?

DK: Zum Jubiläum ein Heimatstück ist schon Tradition. Zum 25-jährigen Jubiläum der Festspiele wurde „Gerhard Langenbach“ neu inszeniert und zur 1000-Jahr-Feier der Stadt spielte das Festspiel-Ensemble „Der lange Weg zum neuen Glück“.  In diesem Jahr werden wir unser Publikum mit einer zweigeteilten Drehkulisse überraschen um die drei Spielorte entsprechend darstellen zu können.
Ich denke, bis zur Premiere sind alle Texte parat, das Spielen ist einstudiert und der Service im Amthof wird wie immer allen Ansprüchen gerecht. Bleibt nur noch das Wetter – auch hier tun wir unser Möglichstes.

GH: Da können wir uns ja auch dieses Jahr wieder auf jede Menge Kurzweil im historischen Amthof  von Bad Camberg freuen und einen amüsanten Abend genießen. Einfach super, was der Festspielverein in den letzten 30 Jahren so auf die Beine bzw. Bretter gestellt hat. Man kann hier auch schon sehr lange nicht mehr von einer Laienschauspielgruppe sprechen, angesichts der sehr professionellen Darsteller, die mit Herzblut bei der Sache sind.  Da kann man nur noch sagen: Applaus, Applaus, Applaus.

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