Die historische Heimatkomödie „Der Wasserkrieg“ aus der Feder von Dieter Knapp wird unter der Regie von Timo Pfanzer seine Ur-Aufführung auf der Freilichtbühne im historischen Amthof-Innenhof erleben.

Bei einem unterhaltsamen Theaterabend in wunderbarer Kulisse wird man nebenbei so einiges über die regionale Geschichte erfahren. Im Jahr 1784 brach in Oberselters eine Mineralquelle auf, was zum Rückgang der Wassermenge an den Quellen im benachbarten aber kurtrierischen Niederselters führte. In den folgenden Jahren kam es zunächst zu schriftlichen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Fürstentümern. 1794 ließ Kurtrier eine 800 Mann starke Militäreinheit mit zwei Kanonen vor Oberselters aufmarschieren und erzwang so das Zuschütten der Oberselterser Quelle. Nachdem beide Orte 1803 in das Herzogtum Nassau eingegliedert wurden, öffneten die Oberselterser ihre Quelle wieder, was erneut Auseinandersetzungen zwischen beiden Orten auslöste. Im folgenden Jahr musste Oberselters die Quelle wieder schließen. Seit 1870 wird dort fortgesetzt Mineralwasser gewonnen und vermarktet. Die Festspielstück „Der Wasserkrieg“ ist im Zeitraum von 1786 bis 1794 angesiedelt. Sie spiegelt die wirtschaftliche Besonderheit des Selterswassers im Golden Grund wider. Der Begriff „Selterswasser“ oder einfach „Selters“ ist als Gattungsbegriff für Mineralwasser in aller Munde. Im Volksmund wurden die Brunnen ob des starken Salzgeschmacks landläufig „Sauerborn“ genannt. Der Name Selters leitet sich wohl von salzig oder salzhaltig ab und wird im Westerwald (Selters bei Hachenburg), an der Lahn (Selters bei Weilburg) und eben hier im Golden Grund (Nieder- und Oberselters) vorgefunden. Wer ursprünglich das erste Selterswasser geschöpft und vermarktet hat, bleibt wohl ein Geheimnis der Geschichte – auf jeden Fall eine sehr erfolgreiche Geschichte. Heute ist „Selters“ ist ein Markenbegriff für Mineralwasser ähnlich wie Tempo für Papiertaschentücher – und das nicht nur in unserer Region, sondern in ganz Deutschland, und sogar in Übersee.

Doch zurück zum Heimatspiel um das Selterswasser: Das Publikum wird den Menschen in ihre Herzen blicken können und Anteil an ihren Nöten und an ihrem Glück nehmen; es wird die Obrigkeit beobachten können, um zu erfahren, wie Macht und Geld selbst in unserer eher beschaulichen Ecke der Erde zu Intrigen und Kriegen führen können. In einem bunten Reigen von Bildern schaut man den Leuten „aufs Maul“. Die Sprache ist manchmal derb und mit Begriffen aus der Zeit versehen. Es wurde eben nicht lange um den heißen Brei geredet – man kam schnell zur Sache. Die Personen sind frei erfunden; ihre Namen den Einwohnerlisten der Jahre um 1780 entnommen; ebenso die kleinen Vergehen, welche säuberlich in den Protokollen des Sendgerichts aufgezeichnet wurden. Das Kernstück des Heimatspieles, der Aufmarsch der Truppen der nassau-oranischen und kurtrierischen Landesherren ist jedoch historisch belegt, ebenso die Schleifung des Oberselterser Brunnens im Jahre 1795 durch den Erzbischof zu Trier. Nun ja, ein Krieg, wie es der Titel verspricht, war es dann zum Glück doch nicht. Oder wenn wir schon der Begriff Krieg gebrauchen wollen, dann ein ganz besonderer Krieg, wie man ihn immer abhalten sollte - es fiel nämlich kein einziger Schuss. Ja, das waren noch Zeiten, als unser guter Landesfürst noch das Sagen hatte. Oder erscheint es uns nur so? Jeder Zeitraum hat seinen eigenen Charakter und manchmal erscheint das Vergangene nur erstrebenswert, weil alles bekannt ist und uns die Zukunft Neues, Unbekanntes und Herausforderndes bereithält ...

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